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| 06.03.07 |
Elektronische Geisterbeschwörung
Raffael Dörig |
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Zur Retrospektive von Alexander Hahn im Kunstmuseum Solothurn |
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Am Boden liegen Bildröhren, vom Betrachter abgewendet.
Ihnen gegenüber sind Glasscheiben aufgestellt, in denen das Videobild
als Spiegelung sichtbar wird, jedoch nur, wenn man im richtigen Winkel
davor steht. Das Video – und damit das Licht im Raum – schwellt rhythmisch
an und ab. Schemenhaft sind darin Menschen zu sehen, die fotografieren
oder fotografiert werden. Das kurze Aufflackern, die Halbtransparenz der
Spiegelung und Effekte von Unschärfe lassen diese Menschen als geisterhaft
erscheinen. «Of Shadow & Light – Riddle of Images» heisst diese Arbeit
von 1993. Sie bildet ein Kernstück der Retrospektive von Alexander Hahn,
die noch bis zum 9.4. im Kunstmuseum Solothurn einen breiten Überblick
über das dreissigjährige Schaffen des 1956 geborenen Schweizer Medienkunstpioniers
bietet. Alexander Hahn: eine der «5 Anamorphoses» (2002), Video-Loop für Fernsehmonitore und zylindrische Spiegel Kommen Menschen vor in Hahns Werk (was nicht besonders oft der Fall ist), so erwecken sie den Eindruck des Gespensterhaften. Hahn schält präzise heraus, was Medien immer innewohnt: Aufzeichnung lässt vergangene Wirklichkeiten wiederauferstehen - medientechnologische Vermittlung ist immer auch Geisterbeschwörung. Deutlich ist dies auch in «5 Anamorphoses» (2002), wo er mit Videoaufnahmen
Verstorbener arbeitet. In beiden genannten Arbeiten verwendet Hahn medientechnologische
Tricks der Vergangenheit. Die transparenten Spiegel in «Of Shadow &
Light» sind an eine Technik des Theaters angelehnt. Die im Titel angesprochenen
Verzerrungen und entzerrenden Spiegel in «5 Anamorphoses» sind auf die
Erkundung der Perspektive seit der Renaissance zurückzuführen. Das Spiel
mit den damals neuen Hilfsmitteln kombiniert Hahn nun mit den neuen elektronischen
Medien seiner Zeit. Hahns Werk wimmelt von solchen naturwissenschaftlich-kunstgeschichtlichen
Bezügen. Dabei geht es ihm jedoch nie nur um technologische Spielerei
und Selbstbezüglichkeit, auch nicht um fortschrittgläubigen High-Tech.
Ein grosses Interesse liegt vielmehr im Diffusen, Traumhaften, das sich
mit diesen Technologien evozieren lässt – eben der Magie, die Medien innewohnt,
und sie Geister erwecken und psychische Zustände erzeugen lässt. |
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| Ausstellung: | «Alexander Hahn: Werke 1976 bis 2006» |
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