Lichtblick mit Informationsmehrwert:
Jonas Burki und sein SUN_D
Verena Kuni
Das Problem ist bekannt: In Innenräumen
oder auch draussen, so lange es nur genügend dunkel ist, funktionieren
Bildschirme und Leuchtschriften bestens. Sobald sich jedoch die Sonne
zeigt, ist Schluss mit der Lesbarkeit. Aber warum eigentlich nicht die
lichtstarke Konkurrentin der künstlichen Beleuchtungen selbst einspannen
und einen Display bauen, der solar funktioniert?
Diese wortwörtlich einleuchtende Frage stand am Anfang eines Diplomprojekts
am Hyperwerk der FHNW, das gerade auf der Ars Electronica in Linz mit
einem Sonderpreis für Zukunftsweisendes, dem «The Next Idea Art + Technology
Grant», ausgezeichnet wurde: Jonas Burkis «SUN_D».
Ein Röhrenbündel, in dessen eines Ende sich die Sonnenstrahlen ergiessen,
um am anderen Ende Punkt für Punkt einen Text oder ein Bild darzustellen:
Ganz so einfach, wie es die Skizze auf den Webseiten des Projekts zeigt,
geht es natürlich nicht. Aber mindestens schaut es von Aussen betrachtet
fast danach aus – nach mehrmonatiger intensiver Arbeit am Konzept, in
der Werkstatt, am Material und der Konstruktion.
Einblick in diese spannende Entwicklung des «SUN_D – The Sun Display Project»
gibt ein eigens eingerichteter Blog, in dem sich alle Phasen in Text und
Bild dokumentiert finden. Dort sieht man, wie Burki zusammen mit anderen
Studierenden Ende 2006 zunächst Brainstorming-Workshops veranstaltete,
um Grundlagen der Infomationsgestaltung mit Licht und Schatten zu erforschen.
Im Anschluss wurden mehrere alternative Prototypen gebaut. Darunter auch
eine «Pixelmatrix», bei der schlichte Plexiglaszylinder als Display fungierten.
Auf diesem Prinzip basiert auch die grosse Matrix, die Burki nun bei der
ars electronica aufgestellt hatte - und die tatsächlich auch funktionierte.
Man musste schon genau hinschauen, um zu erkennen, dass hier eben keine
klassische Leuchttafel mit Lämpchen blinkte, als in durchaus akzeptabler
Auflösung Bilder über den stabilen - und vor allem, was angesichts des
diesjährigen Linzer Dauerregens gar nicht so unwesentlich war: einigermassen
wetterfesten - «Schirm» flackerten.
Daneben waren in der Projektphase noch mehrere andere Verfahren erarbeitet
worden, die teils verworfen werden mussten, teils jedoch ebenfalls zu
ansehnlichen Resultaten führten. Das Projektteam hatte – wie immer, wenn
Lichtstrahlen umgeleitet werden sollen – nicht nur mit den Gesetzen der
Optik zu ringen, sondern musste sich auch um ein hinreichend präzises
Steuersystem kümmern. Prototypen wie das Spiegelpixelsystem erzielten
nächtens schon eindrucksvolle Projektionen des «SUN_D»-Logos. Doch da
«SUN_D» im Freien operiert, galt es auch hier, die natürliche Konkurrenz
des Sonnenlichts mit zu bedenken.
Der Display im Linzer Funktionstest (Foto: »SUN_D
Blog).
Der mit dem «Grant» verbundene Arbeitsaufenthalt im so genannten «Future
Lab» des Ars ermöglichte es Burki und seinen Mitstreitern, die Steuerungstechnologie
des Prototyps noch weiter zu verfeinern. Sage und schreibe 4.500 in mühevoller
Kleinarbeit von Hand gesteckte Plexiglas-Stäbchen lieferten während der
Ars dann besagtes Bild eines Displays, der scheinbar ganz konventionell
Videoeinspielungen ausliefern kann, dabei aber gegenüber gebräuchlichen
Systemen eine kluge und vor allem aussenraumtaugliche Alternative darstellt.
Wer die Präsentation von «SUN_D» auf der Ars Electronica verpasst hat,
sollte sich die zahlreichen Videos im Blog anschauen, die nicht nur Fertiges
vorführen, sondern eben auch einzelne Entwicklungsschritte nachvollziehen
lassen. In dieser Dokumentation, die mehr und anderes leistet als das
offizielle Portfolio auf der Webseite, zeigt sich eine eigene Qualität
des Diplomprojekts, die es auf ihre Weise einmal mehr eines «Next Idea»-Stipendiums
würdig erscheinen lässt: Der offenen Forschung, bei der die Beteiligten
Einblick in alle oder wenigstens wichtige Projektphasen geben, indem sie
diese mit Unterstützung verfügbarer Medienapplikationen anschaulich und
öffentlich macht, sollte in der Tat die Zukunft gehören.
Projekt:
Jonas Burki & Team
«SUN_D The Sun Display Project»
Diplomprojekt 2007 am Institut Hyperwerk
Hochschule für Gestaltung und Kunst, FHNW, Basel (CH)