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15.09.07
Lichtblick mit Informationsmehrwert: Jonas Burki und sein SUN_D
Verena Kuni

Das Problem ist bekannt: In Innenräumen oder auch draussen, so lange es nur genügend dunkel ist, funktionieren Bildschirme und Leuchtschriften bestens. Sobald sich jedoch die Sonne zeigt, ist Schluss mit der Lesbarkeit. Aber warum eigentlich nicht die lichtstarke Konkurrentin der künstlichen Beleuchtungen selbst einspannen und einen Display bauen, der solar funktioniert?

Diese wortwörtlich einleuchtende Frage stand am Anfang eines Diplomprojekts am Hyperwerk der FHNW, das gerade auf der Ars Electronica in Linz mit einem Sonderpreis für Zukunftsweisendes, dem «The Next Idea Art + Technology Grant», ausgezeichnet wurde: Jonas Burkis «SUN_D».


Ein Röhrenbündel, in dessen eines Ende sich die Sonnenstrahlen ergiessen, um am anderen Ende Punkt für Punkt einen Text oder ein Bild darzustellen: Ganz so einfach, wie es die Skizze auf den Webseiten des Projekts zeigt, geht es natürlich nicht. Aber mindestens schaut es von Aussen betrachtet fast danach aus – nach mehrmonatiger intensiver Arbeit am Konzept, in der Werkstatt, am Material und der Konstruktion.


Die schlichte Ausgangside des «Sun Displays» in der Skizze (Foto: »SUN_D Projekt Webseite)

Einblick in diese spannende Entwicklung des «SUN_D – The Sun Display Project» gibt ein eigens eingerichteter Blog, in dem sich alle Phasen in Text und Bild dokumentiert finden. Dort sieht man, wie Burki zusammen mit anderen Studierenden Ende 2006 zunächst Brainstorming-Workshops veranstaltete, um Grundlagen der Infomationsgestaltung mit Licht und Schatten zu erforschen. Im Anschluss wurden mehrere alternative Prototypen gebaut. Darunter auch eine «Pixelmatrix», bei der schlichte Plexiglaszylinder als Display fungierten. Auf diesem Prinzip basiert auch die grosse Matrix, die Burki nun bei der ars electronica aufgestellt hatte - und die tatsächlich auch funktionierte. Man musste schon genau hinschauen, um zu erkennen, dass hier eben keine klassische Leuchttafel mit Lämpchen blinkte, als in durchaus akzeptabler Auflösung Bilder über den stabilen - und vor allem, was angesichts des diesjährigen Linzer Dauerregens gar nicht so unwesentlich war: einigermassen wetterfesten - «Schirm» flackerten.

Daneben waren in der Projektphase noch mehrere andere Verfahren erarbeitet worden, die teils verworfen werden mussten, teils jedoch ebenfalls zu ansehnlichen Resultaten führten. Das Projektteam hatte – wie immer, wenn Lichtstrahlen umgeleitet werden sollen – nicht nur mit den Gesetzen der Optik zu ringen, sondern musste sich auch um ein hinreichend präzises Steuersystem kümmern. Prototypen wie das Spiegelpixelsystem erzielten nächtens schon eindrucksvolle Projektionen des «SUN_D»-Logos. Doch da «SUN_D» im Freien operiert, galt es auch hier, die natürliche Konkurrenz des Sonnenlichts mit zu bedenken.


Der Display im Linzer Funktionstest (Foto: »SUN_D Blog).

Der mit dem «Grant» verbundene Arbeitsaufenthalt im so genannten «Future Lab» des Ars ermöglichte es Burki und seinen Mitstreitern, die Steuerungstechnologie des Prototyps noch weiter zu verfeinern. Sage und schreibe 4.500 in mühevoller Kleinarbeit von Hand gesteckte Plexiglas-Stäbchen lieferten während der Ars dann besagtes Bild eines Displays, der scheinbar ganz konventionell Videoeinspielungen ausliefern kann, dabei aber gegenüber gebräuchlichen Systemen eine kluge und vor allem aussenraumtaugliche Alternative darstellt.

Wer die Präsentation von «SUN_D» auf der Ars Electronica verpasst hat, sollte sich die zahlreichen Videos im Blog anschauen, die nicht nur Fertiges vorführen, sondern eben auch einzelne Entwicklungsschritte nachvollziehen lassen. In dieser Dokumentation, die mehr und anderes leistet als das offizielle Portfolio auf der Webseite, zeigt sich eine eigene Qualität des Diplomprojekts, die es auf ihre Weise einmal mehr eines «Next Idea»-Stipendiums würdig erscheinen lässt: Der offenen Forschung, bei der die Beteiligten Einblick in alle oder wenigstens wichtige Projektphasen geben, indem sie diese mit Unterstützung verfügbarer Medienapplikationen anschaulich und öffentlich macht, sollte in der Tat die Zukunft gehören.

Projekt:

Jonas Burki & Team
«SUN_D The Sun Display Project»
Diplomprojekt 2007 am Institut Hyperwerk
Hochschule für Gestaltung und Kunst, FHNW, Basel (CH)

Links:

»SUN_D Projekt Webseite
»SUN_D Blog
»The Next Idea Art + Technology Grant
»Ars Electronica
»Zu weiteren Projekten des HyperWerk