Zu den aktuellen Clips von Max Philipp Schmid
und Stella Händler.
Max Philipp Schmid und Stella Händler gehören
zu den produktivsten Videoschaffenden der Region. Im kühl sezierenden
Zerlegen und der präzisen Remontage von Mimik, Ton- und Bildspur
gelingen immer wieder überraschende Einsichten in die Analyse –
oder eben auch umgekehrt – die Herstellung von Gefühlen.
Still von «Macht + Ohnmacht», 2004
Derzeit läuft im Fernsehen im Umfeld der Sendung «Sternstunden» einer von vier aktuellen Videoclips. Die sog. «Aufnahmen» sind Studien in einer so simplen Anlage, dass sie schon fast als Parodie der «Talking Heads» der Nachrichtensprecher verstanden werden können: Vier mal zeigen sie den Kopf des Schauspielers Markus Wolff vor leicht muffigem Theatervorhang. Im einen Clip konzentriert sich die Kamera ganz auf dessen Mimenspiel, wie er die Stirne in Falten legt, den Mund verzieht, das ganze Gesicht verzerrt zu maskenhaft erstarrten «Emoticons». Der Akteur folgt dabei den Instruktionen einer Off-Stimme, deren diagnostische Beschreibung der imitierten Gefühlsaufwallung kurios widerspricht.
Still von «Der König», 2004
Raffinierter wird es in den andern Clips, wenn die vorgeführte Emotion
übergreift auf das Dispositiv des Bildes. Oft zeigt sich das, wenn
der Ton den Bildaufbau zu diktieren beginnt: Da zerlegt die Vibration
der Trommel den Trommler, ein muntereres Kinderlied, mit sich selbst im
Kanon angestimmt, spaltet in gesteigerter Kakophonie Körper und Persönlichkeit.
Das Fernsehen wählte zur Ausstrahlung denjenigen Clip aus, der den
schwarzen Balken des Breitbildformat verwendet, vertraut vom Western spätabends,
wenn sich einem die Augenlider zudrücken. Bei Max Philipp Schmid
allerdings mag nur der Ton – das Räuspern und Husten des Schausspielers
– dieses Schwarz überhaupt zu teilen und aus dem Bild zu stemmen.
Still von «Drinnen + Draussen», 2004
Die Clips wurden auf Vorschlag von Conny Voester, der früheren Direktorin der Viper, produziert. So ensteht am Rande der Sendung «Sternstunden» ein kleiner Überblick über die aktuellen Schweizer Talente. Es lohnt in jedem Fall, jeweils Sonntag kurz vor Mittag SF DRS 1 einzuschalten. Wer Schmids TV-Ausstrahlung verpasst, darf auf Festivals hoffen und sich verlassen auf die Sammlung des Kantons Baselland, der unter dem Titel "Review"seit einigen Jahren wichtige Arbeiten der Region systematisch ankauft. Andererseits soll im Herbst eine Installation fertig produziert werden, die Max Philipp Schmid derzeit gemeinsam mit Stella Händer erarbeitet. Sie war Anlass für einen Besuch im Atelier, von dem wir in einem separaten Artikel berichten.
Ausstrahlung:
«Drinnen + Draussen» 01'48" mit Markus Wolff
Realisation: Max Philipp Schmid, Mitarbeit: Stella Händler
Die Clips der von Conny Voester konzipierten Reihe laufen auf SFDRS nach
dem Philosophiegespräch jeweils sonntags um circa 11.10 Uhr.
Wiederholungen am Samstag und auf 3sat in der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch,
ca. 3.00 Uhr)