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| 12.10.05 |
Ins Wasser geschrieben
Annina Zimmermann |
| Johannes Gees startet eine neue Reihe von Laserprojektionen. | |
2001 gelang dem Zürcher Medienproduzenten Johannes
Gees ein eigentlicher Coup. Über dem Winterkurort Davos richtete
er einen grünen Laserstrahl auf ein grosses Schneefeld, der in Beinahe-Echtzeit
via Internet und SMS aus aller Welt Botschaften empfing. «Hello
Mr. President» bot wie viele frühe Internet-Projekte der Öffentlichkeit
ein offenes Mikrofon an. Im Gegensatz zu anderen ungefilterten Sprachrohren
funktionierte es aber deshalb so gut, weil der Adressat so attraktiv war:
Die bewegte grüne Schrift war weithin sichtbar – nicht nur
via Webcam, sondern vor allem auch für die zu jener Zeit am World
Economic Forum versammelten Mächtigen aus Politik, Wirtschaft und
Journalismus. Gees’ erste „Einladung, mit der Macht der Worte den öffentlichen
Raum in Kontrolle zu nehmen“, hatte sich die prominente Platzierung
noch ohne Bewilligung erobern müssen. Das Folgeprojekt «Hello
world» zwei Jahre später war bereits der offizielle Beitrag
des Bundesamtes für Kultur an den «Weltgipfel zur Informationsgesellschaft»
der UNO. Wer den Anliegen der Kleinen in unmittelbarer Nähe der Mächtigen
Sichtbarkeit verschaffen will, darf keine Berührungsängste haben.
Auch dieses Projekt lebte vom exponierten Standort: die grüne Laserschrift
traf nun das UNO Hauptquartier in New York, den Genfer Jet d’eau,
dazu ein Gebäude in Bombay and einen Felshang über Rio de Janeiro.
Am häufigsten gaben die UserInnen aus fünf Kontinenten ihrer
Hoffnung auf Weltfrieden Ausdruck. Dass ihre Ideen den «digital devide» so mühelos queren
könnten wie den Ozean, war ein impliziter wie frommer Wunsch der
Projektträger. «Informationstechnologie vermag die Stimme des
einzelnen weltweit zu stärken», meint Gees betont naiv –
und doch ist gerade der quantitative Erfolg das Beeindruckendste des Projektes:
Es sammelte in fünf Tagen an die 38'000 Botschaften in sieben Sprachen,
die inmitten der Informationsflut doch allenfalls flüchtige Berühmtheit
erlangten. Leider – oder vielleicht bezeichnenderweise? –
sind die Botschaften online nicht mehr zugänglich. Auch wenn die
neuen Medien hier nicht als Selbstzweck, sondern als Textträger eingesetzt
sind, so ist es weniger die Botschaft, als die Geste, die zählt.
Sie will «verdeckte und vergessene Bedeutungen von Landschaft»
sichtbar machen, indem sie mit Schrift eine weitere Schicht darüber
legt. Anfang Oktober begann das Projekt mit einer Textcollage auf dem
Flüsschen Sihl, das sich in Zürich nicht selten unter Parkings
und Autobahnen durchzwängt. Urban ist, wer sich leisten kann, natürliche
Reize zu verkennen. Die Texte wurden dabei von eingeladenen Autoren vorbereitet,
darunter Namen wie Marie-Eve Jetzer und Kerim Seiler, die eher aus der
Bildenden Kunst bekannt sind. |
| Information: | Johannes Gees Interfacing Landscape #2 |
| Links: | »Johannes Gees |