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| 15.04.05 |
Medienkunst: Noch nicht
im Museum angekommen und schon archiviert?
Villö Huszai |
| Die vom Karlsruher ZKM mitentwickelte Internet-Plattform www.medienkunstnetz.de versteht sich als umfassendes Kompendium der zeitgenössischen Medienkunst. Nun wurde ein neues Kapitel abgeschlossen: «Cyborg Bodies», erarbeitet am Institut für Cultural Studies der Zürcher Hochschule für Gestaltung. Eine Gelegenheit, die seit Februar 2004 aufgeschaltete Plattform als Teil der Medienkunst- und Netzkunst-Geschichte zu bedenken. | |
Die rebellischen 90er Jahre reizten zur Wette, wann die
institutionskritischen digitalen Wilden im Museum landen würden.
Grundsätzlich lässt sich auch heute festhalten: Medienkunst
ist (noch) nicht im herkömmlichen Museum der bildenden Kunst angekommen.
Wobei es bei dieser Feststellung darauf ankommt, was man eigentlich unter
Medienkunst versteht: Bekanntlich sind Videokunstwerke, ob nun als Installation
oder als reine Projektion in einer Black Box, seit einigen Jahren auch
im hiesigen Kunstbetrieb willkommen. Während der Internet-Euphorie konkurrenzierte der Begriff Netzkunst
den älteren Ausdruck Medienkunst. Kaum war das neue Genre ausgerufen,
richtete die Kasseler Dokumenta X 1997 der Netzkunst, welche doch angeblich
auf Institutionsferne und die Autonomie des eigenen Servers setzte, einen
eigenen Ausstellungsraum her. Die Sonder-Ausstellung floppte – sowohl
bei den beteiligten KünstlerInnen wie beim Publikum – und bald
war vom Tod der Netzkunst die Rede. Im Nachhinein stellte sich der abrupte
Abgang der Netzkunst von der internationalen Kunstbühne als verlässlicher
Vorbote des Scheiterns der New Economy heraus. Der Begriff Medienkunst
ist seitdem wieder zu neuen Ehren gekommen– mit verändertem
Bedeutungsspektrum: Die Digitalisierung und die globale Vernetzung –
und damit auch die widerspenstige Netzkunst – gehören nun zu
seinem Kern. |
| Links: | »Medienkunstnetz |