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clickhere: Wie seid Ihr zum digitalen
Medium gekommen und welche Rolle spielt dabei das Internet?
Hunziker: Wichtig ist dabei die Möglichkeit, billig zu produzieren
und die Arbeiten direkt zur Verfügung zu stellen. Wir bevorzugen
beide billige Materialien und ein billiges Produzieren, keine Materialschlacht.
Hier gibt einem das Internet eine gewisse Freiheit, weil man alle Medien
zur Verfügung hat, Bild, Text, Video usw.
Zbinden: Im Internet kann man die Arbeiten der ganzen Welt zur Verfügung
stellen. Früher haben wir Fanzines gemacht, von denen wir dann nur
zehn Stück verkauft haben irgendwo.
Hunziker: Eine Gemeinsamkeit zum Fanzine besteht aber in der Art des Arbeitens.
Du machst das, wozu du Lust hast und kümmerst dich nicht darum, ob
das Kunst ist oder Grafik oder was auch immer. Du produzierst und kopierst
es billig und bringst es unter die Leute. Im Internet sind die Grenzen
nicht so stark gesetzt zwischen Kunst, Literatur, Sound, Grafik. In dieser
Hinsicht ist das Netz ein Freiraum zum Arbeiten.
Felix Zbinden, Esther Hunziker
Eure neuste Arbeit «the alphabet ltd.™»
spielt mit der Idee einer Enzyklopädie als Speicher eines Gesamtwissens.
Ist sie auch als ironische Antwort auf die Vorstellung des Internets als
Archiv des Weltwissens zu verstehen?
Zbinden: Die Idee einer Enzyklopädie ist ja eigentlich, die Welt
zusammenzufassen. Das gesamte Internet enthält vielleicht 50% des
Weltwissens. Unsere Arbeit umfasst nicht mal 0,001 Promille. Schon die
Idee ist also absurd, einer Enzyklopädie mit dem Anspruch, das gesamte
Wissen abzubilden.
Hunziker: Wir wollten ja nicht ernsthaft Begriffsdefinitionen setzen,
sondern mit dem spielen, was uns gerade in den Sinn gekommen ist und uns
dabei selbst nicht zu ernst nehmen.
Zbinden: Im ursprünglichen Konzept sollte die Arbeit immer weiter
wachsen. Wir wollten auch andere Leute einladen, Beiträge zu verfassen.
So wäre das Ganze viel offener geworden.
Hunziker: Aber wir haben gemerkt, dass eine offene Plattform auch zum
Problem würde. Jetzt hat das Konzept einen eigenen Stil. Wenn man
es öffnet, besteht die Gefahr, dass es zu stark verflattert. Nun
steht da ein Datum und das heisst sozusagen: Das ist unser Wissen an diesem
Datum. Das Abschliessen ist aber schon recht schwierig; man hat ja immer
wieder Ideen.
Das Sammeln scheint eine grosse Rolle zu spielen, worum
geht es Euch dabei?
Hunziker: Die Fülle des Materials lässt das Subjekt verschwinden.
Bei so viel Material bekommt das Einzelne keine solch’ grosse Gewichtung,
anders als bei einem einzelnen Gemälde oder Foto. Wichtig ist auch
die Möglichkeit des Spielens mit den verschiedenen Medien, Text,
Video, die man collageartig wieder zusammenschieben kann. Das kann eine
Geschichte erzählen, es gibt aber auch die Möglichkeit, etwas
herauszupicken und für sich zu nehmen. Ich bin eh eine Sammlerin,
lege einen Fundus an, den ich dann beim Arbeiten gezielt durchstöbere.
Mein Fundus wird immer grösser. Ich hab also noch Material für
ein paar Arbeiten (lacht).
Zbinden: Das ist natürlich heute eine Tendenz und logisch, eine Antwort
auf die Idee, dass Alles schon da gewesen sei. Du kannst nichts Neues
machen. Aber es ist so viel Material vorhanden, gerade im Internet. Nun
geht es eher darum, das Material neu zu ordnen und aus dem Bestehenden
etwas Neues zu machen und Gefundenes mit Eigenem zu kombinieren.
Hunziker: Es hat auch mit Entdecken zu tun. Man kommt auf Dinge, auf die
man nicht gekommen wäre, hätte man bei Null begonnen. Beim Sammeln
entdeckt man spannendes Zeug, dass man in einen anderen Zusammenhang stellen
kann.
Zbinden: Es gibt dann eine Interaktion: Das Fremdmaterial hat Einfluss
auf unser eigenes. Das ist anders, als wenn wir unsere Sachen im eher
engen, geschlossenen Rahmen machten.
Wie war das Vorgehen bei der früheren Arbeit, «Nord»,
und worum ging es bei der Umsetzung dieses abgeschlossenen, längeren
Textes?
Hunziker: Ich kannte den Text und wollte eine längere Arbeit auf
dem Netz machen. Die fünf Minuten ausdehnen, die man sich gewöhnt
ist, auf dem Netz etwas anzuschauen..
Es war der Versuch, eine Geschichte zu erzählen in einer Art Verfilmung
des Textes für das Internet Der Originaltext selbst ist schon sehr
zerstückelt und bot sich dadurch an für die Umsetzung im Internet.
Ihr bekommt Preise aus der Literaturszene wie auch
auf Medienfestivals - Szenen, die recht unterschiedlich funktionieren
und euch unterschiedlich rezipieren. Wie erlebt ihr das?
Hunziker: Bei «Nord» war es den Leuten aus der Netzliteraturszene
zu wenig Text, die hätten lieber mehr gelesen. Für die Leute
aus der Bilderwelt war es schon zu viel Text. Die Literaturleute hatten
etwa Mühe mit der Stelle in «Nord», wo ein Text durchrattert,
so dass man ihn gar nicht mehr lesen kann. Die wollten den anhalten können.
Ich wollte den aber einfach als Nonsens durchlaufen lassen. Sonst besteht
eher die Tendenz, dass man Texte im Netz gar nicht liest.
Zbinden: Das denke ich auch und beobachte es auch bei mir. Die Aufmerksamkeitsspanne
für eine Seite im Netz beträgt vielleicht zwei Sekunden. Ich
find das interessant. Ich würde gerne als Nächstes wieder so
etwas wie «Nord» machen, etwas Längeres und konzeptuell
Strengeres als «the alphabet ltd.™».
Hunziker: Der Text ist aber sehr wichtig. Der Stil der Arbeit ergibt sich
aus dem Stil des Textes. Das kriegt man auch mit, wenn man nicht alles
liest.
Es gab auch Kritik an «Nord», weil es halt linear ist und
nicht interaktiv, auch kein Hypertext. Da sollte man doch mittlerweile
drüber hinweg sein, finden: Literatur im Netz kann, muss aber nicht
zwingend ein Hypertext sein. Immerhin können die Besucher auf unserer
Website eine Message hinterlassen, das ist ja auch interaktiv (lacht).
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