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| 18.04.06 |
Yves Netzhammers gefährliche
Liebschaft mit dem Projektor
Villö Huszai |
| Der Projektor ist in der Medienkunst als Instrument der Darstellung omnipräsent, doch meist diskret im Hintergrund, irgendwo im Rücken oder über den Köpfen der Betrachter. Derzeit sind Arbeiten des Computerkünstlers Yves Netzhammer in der Schweiz gerade an zwei Orten, in Solothurn und Zürich, zu sehen und an beiden Orten fällt auf: Netzhammer behandelt den Medienkunst-Gehülfen Projektor als Mitspieler, mit dem sich aufwändig und verwegen experimentieren lässt. | |
In der Ausstellung «Flüchtige Horizonte»
des Solothurner Kunstmuseums zeigt Netzhammer zusammen mit dem Musiker
Bernd Schurer noch bis 7. Mai das über drei Räume verteilte
Werk «Soundscapes – Installation mit bildnerischen Hinweisen».
Darin treffen sich Klang- und Lautkompositionen Schurers aus dem Naturreich
und Netzhammers Computer-Animationen. Netzhammer bearbeitet das Thema
Natur nicht zuletzt als menschliches Phänomen: Im Zentrum seiner
grafischen Essayistik steht ein Clown, der die De-Naturierung, sprich
Zivilisierung des Menschen, wie sie die Gesellschaft durch Erziehungspraktiken
und Leibesexerzitien erreichen will, exemplarisch durchmacht.
In Solothurn wie in Zürich nutzt Netzhammer aus, dass seine Zeichnungen projiziert werden – respektive werden können, denn schliesslich könnte Netzhammer ja auch nur einen Bildschirm aufstellen. Netzhammer wählt jedoch die Projektion und zwar auf eine Art und Weise, dass der Zuschauer nicht nur ein Bild respektive eine Bilderfolge vor sich hat, sondern in eine Raumsituation versetzt wird, die inhaltlich an den Inhalt der Bilder anknüpft. In Solothurn geschieht das wohl in erster Linie mit dem Ziel, das Bewusstsein für den Klangraum zu wecken, in den Schurer die Besucher versetzt. Dass der Besucher immer wieder ins vom Projektor generierte Bild gerät, kann das Bewusstsein für diesen Hör-Raum schärfen. In Zürich erinnert das rührend weisse und so kunstvoll vernähte Tuch den Betrachter an die Intimität der Liebe. Denn das zwangsläufig sterile Medium der Computer-Animation könnte deren körperliche Gegenwart sonst fast vergessen machen. |
| Ausstellungen: | Yves Netzhammer/Bernd Schurer: |