Instant City, der beliebte
Musikspielautomat von any affair, geht in einer weiter entwickelten Version
auf Reise.
Auf den ersten Blick ist «Instant City» ein
Brettspiel mit halbtransparenten Bauklötzen. Doch wer einen der Glasbausteine
auf die Fläche bewegt, merkt sofort, dass hier mehr im Spiel ist:
Leuchtdioden rund um das Brett leuchten mit der Bewegung auf. Ist der
Stein ins Feld gesetzt, erlöschen die Lichtpunkte und während
die Hand zum nächsten greift, erklingt eine Komposition. Im Auf-
und Abbau der Baukörper entstehen akustische Gewebe, die zum Entdecken
von musikalischen und architektonischen Konstruktionen - jeweils unabhängig
und im Bezug zueinander - einladen.
«Instant City», ein musikalisches Brettspiel
von any affair
Der elektronische «Musik Bau Spiel Automat» von any affair hat schon 2003 mit einer Reihe von Auszeichnungen auf sich aufmerksam gemacht. So wurde das Basler Künstlerpaar Sibylle Hauert und Daniel Reichmuth, die für dieses Projekt mit Volker Böhm vom elektronischen Studio in Basel zusammen arbeiteten, nominiert für den Medienkunstpreis des ZKM und «ehrenhaft gewürdigt» an der ars electronica. Inzwischen ist mit Unterstützung von Bundesmitteln aus den Förderbeiträgen von sitemapping.ch das mobile Folgemodell der Installation entstanden. «Instant City» ist auf der einen Seite ein unterhaltender und leicht zugänglicher Zeitvertreib, da sein über Lichtsensoren gesteuertes Interface intuitiv bedient werden kann. Je mehr halbtransparente Bauklötze geschichtet werden, desto geringer ist der Lichteinfall auf die Spielfläche. Das Spiel ist aber auch anspruchsvoller Prozess, Forschung in den Bereichen Musik, Architektur, Interface. Und ermöglicht MusikerInnen komplexe Kompositionen, welche die SpielerInnen, alleine oder in der Gruppe, stets neu interpretieren.
Spiele allein oder zu mehreren
Bauen. Spielen. Auftürmen. Durch Kompositionen bewegen. Sie mitgestalten.
Modellieren. Schieben. Zuschauen. Warten. Stapeln. Auseinanderziehen.
Zuhören. Klänge zusammensetzen. Strategien entwickeln. Sie verwerfen.
Planen. Improvisieren. Über den Haufen werfen. Verweilen. Konstruieren.
Die einfachen Mittel, vertraut vom Kinderspiel mit dem Baukasten, eröffnen
reiche Erfahrung. «Instant City» verführt zu lebendigen
Begegnungen mit Räumen, Menschen und Klängen. Wie lässt
sich ein so intuitives Erlebnis in Worte fassen?
Daniel Reichmuth schenkt eine Tasse Kaffee ein. Er lacht. «Feiern
und Spielen sind untrennbar - das Spiel von Licht und Schatten bei 'Instant
City' verbinde ich mit Situationen, wie ich sie von Festen kenne.»
Differenzierend beschreibt er die Elemente Spiel, Interaktion und daraus
entstehende künstlerische Ausdrücke: «Spielen ist eine
bestimmte Form von Interaktion, meistens begeben wir uns in eine Umgebung,
in der wir verschiedene Regeln beachten müssen, die weniger zweckgebunden
sind, sondern im besten Fall als lustvoll empfunden werden. Ich kreiere
gerne Spielumgebungen, die ich mit anderen spontan entdecke und entwickle.
Der Wunsch, körperlich-sinnliche Augenblicke zu erleben, steckt hinter
dieser modularen Umgebung, die Interaktionen mit einem oder mehreren Menschen
im realen Raum provoziert.»
Daniel Reichmuth
Für «Instant City» wurden verschiedene Musiker und Musikerinnen, aber auch die performende Schriftstellerin Birgit Kempker mit Kompositionen beauftragt, die von den Spielenden fortlaufend neu inszeniert werden können. Reichmuth: «Die KomponistInnen konzipieren ihrerseits einen musikalisch bespielbaren Raum, der dem Bauen einen Verlauf gibt. Die BesucherInnen werden BetrachterInnen, mutieren zu BenutzerInnen und entpuppen sich dabei als MitschöpferInnen. Die einzigartigen Interpretationen musikalischer Werke geraten über menschliche Bezüge zur sozialen Plastik im Raum.» Daniel Reichmuth nutzt seine Erfahrungen aus dem Theater für technisch ausgeklügelte Umgebungsgestaltungen. «Instant City» wurde über Jahre zur Reife entwickelt. «Heute weckt any affair auch Interesse unter Kreisen, die von sich selbst denken, alles zu wissen.» Kein Wunder, denn was «Instant City» bewegt, lässt keinen der Aspekte Musik, Architektur, Interface und Spiel ruhen. «Die Installation ist eigentlich eine räumliche Inszenierung, in der unterschiedlichste Charaktere Formen finden.» Daraus spricht auch nach Jahren nun Reichmuths Vorfreude «Instant City» im Ausstellungskontext selbst zu betreuen.
Information :
«Instant City» ist die kommende Zeit zu Gast:
24. Februar 2005 beim Konzert des Studiengangs Musik und Medienkunst in
Bern (CH): www.medien-kunst.ch
26. Februar 2005 im Netherlands Architecture Institute, Museumsnacht NAI
in Rotterdam (NL)
19. bis 24. Mai 2005 am Festival Science et Cité (CH): www.science-et-cite.ch
19./20. August 2005 beim Festival Rümlingen (CH): www.neue-musik-ruemlingen.ch
Am 20. Mai, 20.00 Uhr halten Sibylle Hauert und Daniel Reichmuth im Unternehmen
Mitte (Kuratorium) in Basel einen Vortrag.