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Initiator Patrick Hofer erklärte bei seiner Eröffnungsrede
den diesjährigen ersten Anlass zu einer Art «Teaser»;
dies insbesondere, weil die in einem Call for Collaboration im April 2005
ursprünglich anvisierte Grössenordnung von 20'000 Besucher noch
nicht zustande kam. Das Interesse der Wirtschaft hatte sich als weniger
gross herausgestellt, als dies von den Veranstaltern erhofft worden war.
Darum ist die diesjährige Betaversion nur erst für ein paar
Hundert Besucher konzipiert. Das nächste Tweakfest soll aber richtig
gelten: Der Konferenzteil könnte internationalisiert und die sich
an ein grösseres Publikum richtenden Ausstellungs- und Unterhaltungs-Teile
vergrössert werden, so Hofers Aussichten.
Schlüsselbegriff Kreativwirtschaft
Die Kreativwirtschaft, ein Schlüssel-Begriff des Festivals, wurde
gleich zu Beginn des Festivals in der Paneldiskussion «Swiss Creative
Industries» von verschiedenen Wirtschafts-Vertretern (Swisscom,
E-Business, Migros), Wissenschaftlern (Wirtschaft, Sozialgeographie, Kunst)
sowie einem Vertreter der Standortförderung Zürich diskutiert
– eine erste von vielen weiteren Mammut-Männer-Runden.

Tanja Gompf, PJ Wassermann
Dass es sich bei der Kreativwirtschaft um eine äusserst heterogene,
aber doch zusammengehörige Wachstumsbranche handle, die noch viel
zu wenig vernetzt sei, ist eine zentrale Botschaft des Festivals. Die
Kunst wurde in der Diskussion weitgehend als Teil oder zumindest als sehr
eng kooperierender Partner der Kreativwirtschaft behandelt. Ein kleiner
Disput zwischen Gerhard Blechinger, Leiter Forschung und Entwicklung an
der HGKZ und Dominik Landwehr, Leiter der Abteilung «Science and
Future» des Migros Kulturprozentes, bildete in diesem Konsens einen
Kontrapunkt.
Spannbreite zwischen angewandter...
Blechinger betonte die engen Bande zwischen Kunst und «Kreativwirtschaft».
So gäbe es in der Kunst beispielsweise durchaus Produktionsstrategien,
die auch für die Wirtschaft interessant sein könnten. Die Projekt-Präsentation
der HGKZ-Mitarbeiterin Tanja Gompf, in der es um die Kombination von Handy
und Film ging, führte im späteren Verlauf des ersten Tages denn
auch vor, wie kommerzielles Interesse und künstlerisches Knowhow
allenfalls zusammenspielen können: Das E-Business, insbesondere die
Telekommunikation, hat ein Interesse an Filmen im Handy-Format und eine
Kooperation mit einer Kunst-Hochschule liegt nahe. Zugleich bedarf es
eigenständiger Filmkunst, um eine mediengerechte Adaption des Filmformats
auf dasjenige des Handys leisten zu können. So kann beispielsweise
das Close Up, so ein Ergebnis des laufenden HGKZ-Projekts, viel wichtiger
werden, als dies in grösseren Bildschirm-Formaten der Fall ist.
...und freier Kunst: wirtschaftstauglich oder hölderlinsch
im Irrenturm
Indem gerade der Kunst-Experte Blechinger seine Position in der Gesprächsrunde
auf die Alternative wirtschaftstauglich oder exzentrisch («Hölderlin
im Irrenturm») zuspitzte, schien Kunst jedoch plötzlich nur
noch als angewandte denkbar. Ausgerechnet der Konzern-Vertreter Landwehr
betonte gegenüber Blechinger die «Eigengesetzlichkeit»
und «Kratzbürstigkeit» der Kunst, was gerade in den Hallen
einer Kunsthochschule als einigermassen origineller Rollentausch auffallen
konnte. Das Festival sei ja nicht ein Seminar über Ästhetik,
lautete am Rande des Festivals Blechingers Erklärung für seine
dezidierte Stellungnahme zugunsten einer wirtschaftskompatiblen Kunst.
Blechinger markiert mit seiner Position zwar verständliche Distanz
zur Künstlerin als weltfremdem Genie. Doch der Appell des Open-Source-Spezialisten
Georg Greve am zweiten Veranstaltungstag («Wir brauchen mehr Differenzierung»)
liesse sich auf diese Position beziehen: Trotz oder vielleicht gerade
wegen des einleuchtenden Anliegens, technologienahe Kunst und E-Business
zu vernetzen, kann die Kunst nicht als monolithischer Block behandelt
werden. Um eine Differenzierung in freie und angewandte Kunst dürften
zukünftige Überlegungen nicht herum kommen.
Kultur und Kunst
Einfach ist diese Differenzierung zugegebermassen nicht, denn gerade die
Medienkunst tendiert ja auch immer wieder selbst zur Auflösung eines
klaren Kunstbegriffs. Das wurde am zweiten Tag deutlich, als es um die
breit verhandelte Copyright-Problematik ging. Dabei tauchte die Frage
auf, ob jede Form von Sampling kulturereller Inhalte potentiell als Kunst
betrachtet werden könne.

Cornelia Sollfrank, Warhol by Sollfrank
Johannes Gees, der zusammen mit Annette Schindler vom Basler Medienkunst-Forum
[plug-in] die künstlerische Kuration von Tweakfest ausrichtete, trat
am Festival auch als Medienkünstler auf. Er bejahte die Frage, darin
unisono mit der Hamburger Netzkünstlerin Cornelia Sollfrank. Diese
stellte am Festival ihre gesampelten Andy-Warhol-Bilder vor, bot sie trotz
unsicherer Copyright-Situation zum Verkauf an – und verkaufte alle
fünf ausgestellten Bilder stante pede. Der elektronische Musiker
und Programmierer PJ Wassermann hingegen beharrte auf einem engeren Kunstbegriff,
der zwischen Kunst und Kultur strenger unterscheidet.
Vernetzung über den Röstigraben als Langzeit-Projekt
Die alte Erkenntnis, dass Wirtschaft und Kultur sehr verschiedene Sprachen
sprechen, liess sich an dem Festival natürlich leicht beobachten.
Doch der gemeinsame Bezugspunkt der Technologie liess in dem Themenreigen
von Datenschutz, Digital Lifestyle für das Wohnzimmer bis zu Suchmaschinen
immer wieder Gemeinsamkeiten erkennen. Copyright war in dieser Hinsicht
ein interessantes Thema, das sowohl für die Künstler wie auch
für Medienschaffende, aber auch für Wirtschaft und Gesellschaft
von grosser Bedeutung ist.
Wäre es in Zukunft aber denkbar, die zwei Welten Kunst und Kommerz
in noch direkteren Kontakt, vielleicht auch in Konfrontation zueinander
zu bringen? Zum Beispiel, indem man die zwei Lager in einem gemeinsamen
Panel zu Wort kommen liesse, statt meistens unter sich zu belassen? Wäre
es, ein anderes Beispiel, denkbar, dass sich die «Showcase”-Rednerinnen
und Redner, in denen vor allem Wirtschafts- und Wissenschaftsvertreter
ihre neusten Produkte vorstellten, in Zukunft der Diskussion durch das
gemischte Publikum stellen? Würde sich ein Diskussion, wenn die Veranstalter
ihr denn mehr Zeit einräumten, aber überhaupt entspinnen? Und
würde sich das angestrebte Networking über den unerbittlichen
Röstigraben zwischen Wirtschaft und Kunst/Kultur fortsetzen? Fest
steht, dass eine solche Zielsetzung sich nicht auf einen Schlag, sondern
nur allmählich entwickeln kann.
Der Blogger und derzeit feurigste Tweakfest-Kritiker Jan Zuppinger kann
dem Festival zumindest einen Erfolg nicht absprechen: ihm Networking ermöglicht
zu haben. Die Veranstalter sollten dies als Zeichen auffassen, dass auch
die übellaunigsten Götter ihrem ehrgeizigen Projekt etwas abgewinnen
werden.
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