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In drei Wochen, am 17. November, soll die 25. Ausgabe
von Viper an den Start gehen. Wer sich für das Festivalthema interessiert,
dem sei das aktuelle Kunstbulletin empfohlen: „Gaming Society“
nennt sich der Festivaltitel, geplant ist eine Sonderschau von Schweizer
Medienkunst «No Peak No View» und eine neue Serie «Critic’s
Choice» speziell zur Kunstkritik in Bereich der Medienkunst. Auch
in diesem Jahr ist die Kunsthalle Basel als Standort vorgesehen. Nur:
das breitere und das internationale Publikum hat auch in diesem Jahr noch
kaum etwas vom Festival gehört: Vipers Öffentlichkeitsarbeit
ist drei Wochen vor den angekündigten Festivaltagen noch nicht sichtbar
geworden. Der digitale Newsletter ist bisher nicht zum Einsatz gekommen;
auf der Webseite der Viper wurde kürzlich zumindest die Seite des
Vorstands aktualisiert: Dieser ist bis auf den Präsidenten Luigi
Kurmann zurückgetreten.
Nun erreichte die Redaktion von verschiedener Seite die Nachricht, Viper
sei abgesagt, Künstler ausgeladen, Inserate gecancelt. Die Viper-Leitung
vertröstet für Informationen auf kommende Woche. Michael Koechlin,
als Kulturverantwortlicher der Stadt Basel von Regioartline daraufhin
angesprochen, kann das zur Zeit nicht bestätigen. Er traf die Direktorinnen
Annika Blunck und Rebecca Picht anfangs Woche zum Gespräch, hat aber
seither kein offizielles Gesuch für eine Verschiebung des Festivals
erhalten. Denn das wäre, „milde formuliert“, eine Nichterfüllung
des Subventionsvertrages, mit dem der Verein Viper sich zur Durchführung
eines Festivals im qualitativen und quantitativen Umfang der letzten Jahre
verpflichtet hat. Viper müsste deshalb in den kommenden Tagen nicht
nur das Einverständnis der anderen Subventionsgeber vorlegen, sondern
auch nachweisen, wohin die öffentlichen und Stiftungsgelder geflossen
sind, noch fliessen werden. Vor allem aber müsste glaubhaft werden,
woher zusätzliche Geldquellen bis zum ersten Quartal 2006 neu und
zusätzlich erschlossen würden bzw. inwieweit der Zeitgewinn
organisatorisch von Vorteil wäre. Ein solches Gesuch müsste
der Regierungsrat noch rechtzeitig bewilligen können.
Mit den Geldern von 2005 alte Schulden abzubauen, wäre - so Koechlin
- bis zu einem gewissen Ausmass legal und sicher sinnvoll. Doch selbst
bei grosszügigen Schätzungen müsste da doch noch etwas
übrig bleiben? Die letzten Abrechnungen hätten die staatlichen
Experten für Finanzcontrolling nicht nachvollziehen können;
man warte noch auf neue Unterlagen.
Was bleibt zu tun? Nicht nur Koechlin tut es leid um das Festival. Doch
liegt die Schlussfolgerung nahe, dass der Entscheid von CMS und später
auch der Stadt richtig war, der Viper unter ihrer aktuellen Leitung das
Vertrauen und die Jahresbeiträge zu entziehen: zu passiv das Controlling
des Vorstands, zu lamentabel die Öffentlichkeits- und Vernetzungs-Arbeit
der aktuellen Direktion. Wer von Vorgängern ein finanzielles Schlamassel
übernimmt, dem bleibt nur die Flucht nach vorne: Einfallsreiche Low-Budet-Lösungen,
zu der sich die grosse Kunstszene und die vielfältigen Kulturinstitutionen
auf dem Platz Basel hätten motivieren lassen. Hier rächte sich
wohl die Sozialisation der Direktorinnen in einer grossen Institution:
Was als internationales Netzwerk und intellektueller Anspruch für
die Viper inhaltlich enorm fruchtbar hätte sein können, verführte
zur Pflege einer bis zur Arroganz perfektionistischen Fassade - für
die Kommunikation und Organisation vor Ort kontraproduktiv.
Im Budget des Ressort Kultur sind für das erste Halbjahr 2006 Gelder
reserviert für weitere Roundtable-Gespräche von [plug.in], HGK,
Institut für Medienwissenschaft, Hyperwerk etc. Zudem sollen die
städtischen Subventionen für den Ganzjahresbetrieb [plug.in]
leicht erhöht werden; die CMS hat für 2006 bereits CHF 50'000
mehr zugesagt. Koechlin schwebt darüber hinaus längerfristig
ein als Biennale durchgeführtes Festival vor, falls sich dies finanzieren
liesse, wohl unter Federführung von [plug.in], eventuell in Kooperation
mit anderen Partnern nach dem Vorbild des Musikfestivals «Stimmen».
Ob Viper sich daran noch beteiligen könnte, hängt davon ab,
ob ihr die Erfüllung des Subventionsvertrages 2005 gelingt und ob
sie nicht zu viel Defizit als Mitgift einbrächte.
Was bedeutet das für ein an Medienkunst interessiertes Publikum und
für die KünstlerInnen? 2’600 Vorschläge aus 71 Ländern
wurden zum internationalen Wettbewerb 2005 eingereicht, verkündet
die Viper-Webseite. Über CHF 600’000 erhält die Viper
von der Stadt Basel, der Christoph Merian Stiftung, Baselland und dem
Bundesamt für Kultur für die Durchführung ihrer 25. Ausgabe.
Das verpflichtet: Künstlerinnen und Künstler möchten auftreten,
ihre Arbeiten zeigen und diskutieren, Partner möchten wissen, woran
sie sind; die Fachleute halten sich den Termin frei. Viper-Bashing ist
schädlich: der Wettbewerb um öffentliche Gelder ist gross und
so sollte möglichst bald nicht mehr das Scheitern der Viper, sondern
kreative Lobbyarbeit im Vordergrund stehen. Doch dafür muss die Viper
sich zuerst, das zeigt die Entwicklung bis zur Gegenwart, ganz grundsätzlich
besinnen.
In der Schweiz initiieren und verantworten zumeist inhaltlich und juristisch
unabhängige Institutionen die Kunstvermittlung. Zu wünschen
wäre, dass sich dafür auch für die Medienkunst juristische
Formen fänden, die sich durch offene Mitgliedschaft ähnlich
einem Kunstverein auch einer demokratischen Kontrolle unterziehen. Denn
wie wenig der Staat ausrichten kann, wenn die Veranstalter keine Einsicht
zeigen, wird am Beispiel Viper deutlich. Da verliert ein 25jähriges
Festival seine Gelder, bloss weil ein Vorstand offenbar nicht den Mut
bzw. Zeit und Geld aufbrachte, die von ihm angestellten Direktorinnen
rechtzeitig professionell zu unterstützen oder dann eben auszutauschen.
Der Fusionsauftrag diesen Sommer hatte die Chance für einen Neuanfang
geboten. Denn seit 1999 plagt sich die Basler Medienkunst mit der noch
unter Kulturchef Andreas Spielmann entwickelten Fehlkonstruktion: zwei
Institutionen mit den gleichen Anliegen und den gleichen Geldgebern, die,
schuldenbeladen bzw. krass unterfinanziert, sich gegenseitig aufreiben,
Geld und Deutungsmacht streitig machen. Es ist längst an der Zeit,
für die Vermittlung von Medienkunst eine sinnvollere Struktur zu
finden.
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