Gestern gründete sich in der Basler Imprimerie
die IG Film- und Medienkunst. Als erstes will sie beim neuen Modell zur
Förderung und Vermittlung von Film- und Medienkunst in Basel mitarbeiten.
Dazu wurden Erich Busslinger für die Produktionsgemeinschaften und
Barbara Naegelin/Florian Olloz aus der freien Szene delegiert. Sie sitzen
nun im Ausschuss verschiedener Institutionenvertreter, der aus dem Potenzial
des [plug.in] und den Resten der Viper die «Medienkunststadt Basel»
auferstehen lassen will.
Gestern Abend lud Erich Busslinger unter dem Titel «Zukunft
Viper etc.» die Basler Medienschaffenden zum Gespräch ins Restaurant
Imprimerie Basel. Busslinger, als Künstler und Mitglied der Produktionsgenossenschaft
point de vue treuer Mittäter des Festivals Viper, hatte dieses Frühjahr
die Initiative ergriffen: Es gelang ihm und einigen Verbündeten die
betroffenen Institutionen wieder an einen Tisch zu bringen für die
gemeinsame «Entwicklung eines Konzeptes zur Förderung und Vermittlung
von Medienkunst».
Denn etwas muss ja geschehen: Der Verein Viper kann in seiner
jetzigen Gestalt keine weiteren Subventionsanträge an die Stadt Basel
stellen. Er besteht dem Vernehmen nach nur noch aus dem Präsidenten
Luigi Kurmann; die anderen Vorstandsmitglieder sind zurückgetreten.
Auch ist ungewiss, ob die Direktorinnen der Viper, deren letztes Festival
einmal mehr haarsträubend schlecht organisiert und kommuniziert war,
noch unter Vertrag stehen.
In einer Feuerwehrübung hatte im März ein vom Basler Kulturverantwortlichen
Michael Koechlin organisierter «Roundtable Medienszene Basel»
diese Vorgehensweise durchgewunken, um an der Festival-Eröffnung
vor Presse und Öffentlichkeit nicht ganz ohne Konzept zur Rettung
der «Medienkunststadt Basel» dazustehen. Nun formiert sich
der Ausschuss der Delegierten: Luigi Kurmann und Daniel Baumann als Präsidenten
von Viper und [plug.in], dann die Professoren René Pulfer und Christoph
Tholen von HGK und Uni Basel und mit Philipp Kaiser das MGK als eine der
Herbergen des Festivals. Bis anhin fehlte die Vertretung der Produktionsgemeinschaften,
der freien Künstlerinnen und Künstler und der in Basel ja tüchtig
wachsenden Dienstleisterfirmen. Wer würde sich aus der Szene für
die ehrenamtliche Knochenarbeit im Schnelltempo zur Verfügung stellen?
Nach dem Gutachten Giaco Schiesser, dessen Fusionsvorschlag von Festival
und Ganzjahresbetrieb die Fronten in Basel verhärtet hatte, konnte
das Ressort Kultur für den neuen Anlauf nur noch CHF 10'000 zur Verfügung
stellen. Bis Mitte Juni soll bereits ein erstes Modell vorliegen, das
ernsthaft zu diskutieren sowohl Koechlin wie Walter Brack von der CMS
zusagten.
Der runde Tisch prominenter Schafferinnen und Schaffer aus Film, Video,
Musik und Dienstleistung, der sich gestern in der Imprimerie versammelte,
war sich rasch einig, dass für ihre Arbeit und ihr Publikum ein Festival
in Basel von Leistungsauftrag und Umfang der bisherigen Viper von zentraler
Bedeutung ist. So gründete sich, nach Jahren bissiger, aber tatenloser
Kritik und resignierter Apathie, endlich eine Interessensvertretung der
Kulturschaffenden von Film und Medienkunst.
Primäres Ziel zur Zeit ist es, dem Platz Basel ein Festival zu erhalten,
das Treffpunkt und Plattform ist für die schweizerischen Produzenten,
internationale Protagonisten und Gäste anzieht, gut verwurzelt ist
in der Stadt. Uneinig war man sich über den Wert des Namens Viper:
unersetzlich sein historischer Tiefgang und die breite Bekanntheit, aber
auch arg ramponiert das Image unter der aktuellen Leitung. Wie liesse
sich der Name in ein neues Modell hinüberretten und zugleich die
personelle und finanzielle Erbschaft ausschlagen?
Denn unter gar keinen Umständen wollten sich die gestern anwesenden
KünstlerInnen auch in Zukunft mit den Viper-Direktorinnen in irgendeiner
Funktion in einer Nachfolgeinstitution herumärgern müssen!
Und das Vorbild des erfolgreich neu lancierten Dokumentarfilmfestival
von Nyon liess gar etwas Aufbruchsstimmung aufscheinen.
So wurde schliesslich Erich Busslinger als Delegierter der Produktionsgemeinschaften
und
Barbara Naegelin/Florian Olloz als Delegierte der freien Szene mit der
Mission betraut, die Interessen der Kunst und ihrer Produzenten in die
Entwicklung eines neuen Vermittlungs- und Fördermodells einzubringen.
Gefordert wurde ausserdem das Engagement der auf den Bereich neue Technologien
spezialisierten Dienstleister. Das ist schon nur deshalb wichtig, damit
die neue Institution deren Vertrauen wieder gewinnt und die Rede vom «Wirtschaftsfaktor»
der «Medienstadt» nicht Kosmetik bleibt.
Information:
Nächstes Treffen der IG Film und Medienkunst
Montag, 15. Mai, 20.00 Uhr, Imprimerie Basel
Sämtliche am Thema interessierten – Publikum, Autorinnen und
Autoren von Film, Video, Performance, Musik, Design, Theorie – sind
zu den Treffen eingeladen. Teilnahme und Versand sind explizit nicht auf
Basel beschränkt.