Impressum

zimmermann@clickhere.ch
&
28.04.06
Die Szene formiert sich.
Annina Zimmermann
Gestern gründete sich in der Basler Imprimerie die IG Film- und Medienkunst. Als erstes will sie beim neuen Modell zur Förderung und Vermittlung von Film- und Medienkunst in Basel mitarbeiten. Dazu wurden Erich Busslinger für die Produktionsgemeinschaften und Barbara Naegelin/Florian Olloz aus der freien Szene delegiert. Sie sitzen nun im Ausschuss verschiedener Institutionenvertreter, der aus dem Potenzial des [plug.in] und den Resten der Viper die «Medienkunststadt Basel» auferstehen lassen will.

Gestern Abend lud Erich Busslinger unter dem Titel «Zukunft Viper etc.» die Basler Medienschaffenden zum Gespräch ins Restaurant Imprimerie Basel. Busslinger, als Künstler und Mitglied der Produktionsgenossenschaft point de vue treuer Mittäter des Festivals Viper, hatte dieses Frühjahr die Initiative ergriffen: Es gelang ihm und einigen Verbündeten die betroffenen Institutionen wieder an einen Tisch zu bringen für die gemeinsame «Entwicklung eines Konzeptes zur Förderung und Vermittlung von Medienkunst».

Denn etwas muss ja geschehen: Der Verein Viper kann in seiner jetzigen Gestalt keine weiteren Subventionsanträge an die Stadt Basel stellen. Er besteht dem Vernehmen nach nur noch aus dem Präsidenten Luigi Kurmann; die anderen Vorstandsmitglieder sind zurückgetreten. Auch ist ungewiss, ob die Direktorinnen der Viper, deren letztes Festival einmal mehr haarsträubend schlecht organisiert und kommuniziert war, noch unter Vertrag stehen.

In einer Feuerwehrübung hatte im März ein vom Basler Kulturverantwortlichen Michael Koechlin organisierter «Roundtable Medienszene Basel» diese Vorgehensweise durchgewunken, um an der Festival-Eröffnung vor Presse und Öffentlichkeit nicht ganz ohne Konzept zur Rettung der «Medienkunststadt Basel» dazustehen. Nun formiert sich der Ausschuss der Delegierten: Luigi Kurmann und Daniel Baumann als Präsidenten von Viper und [plug.in], dann die Professoren René Pulfer und Christoph Tholen von HGK und Uni Basel und mit Philipp Kaiser das MGK als eine der Herbergen des Festivals. Bis anhin fehlte die Vertretung der Produktionsgemeinschaften, der freien Künstlerinnen und Künstler und der in Basel ja tüchtig wachsenden Dienstleisterfirmen. Wer würde sich aus der Szene für die ehrenamtliche Knochenarbeit im Schnelltempo zur Verfügung stellen? Nach dem Gutachten Giaco Schiesser, dessen Fusionsvorschlag von Festival und Ganzjahresbetrieb die Fronten in Basel verhärtet hatte, konnte das Ressort Kultur für den neuen Anlauf nur noch CHF 10'000 zur Verfügung stellen. Bis Mitte Juni soll bereits ein erstes Modell vorliegen, das ernsthaft zu diskutieren sowohl Koechlin wie Walter Brack von der CMS zusagten.

Der runde Tisch prominenter Schafferinnen und Schaffer aus Film, Video, Musik und Dienstleistung, der sich gestern in der Imprimerie versammelte, war sich rasch einig, dass für ihre Arbeit und ihr Publikum ein Festival in Basel von Leistungsauftrag und Umfang der bisherigen Viper von zentraler Bedeutung ist. So gründete sich, nach Jahren bissiger, aber tatenloser Kritik und resignierter Apathie, endlich eine Interessensvertretung der Kulturschaffenden von Film und Medienkunst.

Primäres Ziel zur Zeit ist es, dem Platz Basel ein Festival zu erhalten, das Treffpunkt und Plattform ist für die schweizerischen Produzenten, internationale Protagonisten und Gäste anzieht, gut verwurzelt ist in der Stadt. Uneinig war man sich über den Wert des Namens Viper: unersetzlich sein historischer Tiefgang und die breite Bekanntheit, aber auch arg ramponiert das Image unter der aktuellen Leitung. Wie liesse sich der Name in ein neues Modell hinüberretten und zugleich die personelle und finanzielle Erbschaft ausschlagen?
Denn unter gar keinen Umständen wollten sich die gestern anwesenden KünstlerInnen auch in Zukunft mit den Viper-Direktorinnen in irgendeiner Funktion in einer Nachfolgeinstitution herumärgern müssen! Und das Vorbild des erfolgreich neu lancierten Dokumentarfilmfestival von Nyon liess gar etwas Aufbruchsstimmung aufscheinen.

So wurde schliesslich Erich Busslinger als Delegierter der Produktionsgemeinschaften und
Barbara Naegelin/Florian Olloz als Delegierte der freien Szene mit der Mission betraut, die Interessen der Kunst und ihrer Produzenten in die Entwicklung eines neuen Vermittlungs- und Fördermodells einzubringen. Gefordert wurde ausserdem das Engagement der auf den Bereich neue Technologien spezialisierten Dienstleister. Das ist schon nur deshalb wichtig, damit die neue Institution deren Vertrauen wieder gewinnt und die Rede vom «Wirtschaftsfaktor» der «Medienstadt» nicht Kosmetik bleibt.

   
Information:

Nächstes Treffen der IG Film und Medienkunst
Montag, 15. Mai, 20.00 Uhr, Imprimerie Basel

Sämtliche am Thema interessierten – Publikum, Autorinnen und Autoren von Film, Video, Performance, Musik, Design, Theorie – sind zu den Treffen eingeladen. Teilnahme und Versand sind explizit nicht auf Basel beschränkt.

Die Adressliste für News führt Erich Busslinger: ebusslinger(at)pointdevue.ch.