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30.01.06
Die Neugierde ist geweckt
Annina Zimmermann
Für 16. bis 20. März ist die 25. Ausgabe von Viper, des internationalen Festivals für Film, Video und Neue Medien geplant. Wer darüber im Vormonat schon informieren möchte, sieht sich zu investigativem, wenn nicht spekulativem Journalismus angeregt.

Wir erinnern uns: Letzten Herbst erreichte uns drei Wochen vor dem ursprünglich geplanten Termin die Nachricht, Viper sei aufs Frühjahr verschoben. Finanzielle Gründe standen damals im Vordergrund des Entscheids, der für Sponsoren, Partner und beteiligte KünstlerInnen überraschend kam. Bereits seit Längerem hatten zwar Gerüchte über finanzielle Engpässe die Runde gemacht, war von ausstehenden Löhnen und Preisgeldern die Rede und von zögerlichen Antworten auf alle inhaltlichen Anfragen mit Kostenfolgen. Dass 2005 bis auf den Präsidenten sämtliche Vorstandsmitglieder des Vereins zurücktraten, nährte die Sorgen um Vipers Zukunft.


Performance aus dem Programm der Viper 25: "The Tomorrows project" (UK 2004) von Ablab + Dunlop (Gair Dunlop and Dan Norton)

Das Ressort Kultur der Stadt Basel, mit CHF 275'000 je gemeinsam mit der CMS Hauptsponsor der Viper, zeigte sich vor den Kopf gestossen durch die mangelnde Transparenz und die Kurzfristigkeit der Terminverlegung, paukte sie aber doch im Regierungsrat als Änderung des Subventionsvertrags im Eiltempo durch. Viper-Sympatisanten andererseits hofften auf den Befreiungsschlag: So gewannen die Direktorinnen, Rebecca Picht und Annika Blunck, Zeit für eine sorgfältige Vorbereitung, vor allem aber war die Öffentlichkeitsarbeit bereits wieder hoffnungslos im Verzug gewesen. Und da sämtliche Subventionsverträge mit dieser Ausgabe auslaufen, ist eine gelungene und publikumswirksame Viper entscheidend für einen geglückten Neuanfang von Basels Kulturpolitik im Bereich Neue Medien.

Nun, drei Monate später und sechs Wochen vor dem internationalen Festival, herrscht immer noch Funkstille im Viper-Büro. Kein müder Flyer liegt auf zur publikumsträchtigen Museumsnacht, die Webseite publiziert wortkarg eine Künstlerliste. Wer Informationen zum Programm wünscht, kann allenfalls auf eine Ausgabe des Kunstbulletins zurückgreifen, die im alten Jahr bereits eine Medienmitteilung abdruckte. «Gaming Society» nenne sich das Festivalmotto, geplant sei eine Sonderschau von Schweizer Medienkunst und eine neue Serie «Critic’s Choice» speziell zur Kunstkritik in Bereich der Medienkunst. Auch in diesem Jahr ist die Kunsthalle Basel als Standort vorgesehen: Ihr Personal versichert, sie halte die Räume für das Festival frei. Bei den Technikern von Tweaklab laufen die Vorbereitungen. Nur die Kultkinos, im letzten Jahr dank der hübschen Bar noch informelles Festivalzentrum, haben die Zusammenarbeit eingestellt.


Film aus dem Programm der Viper 25: "Still seeing disappeared the sailors" (FR 2005) von Christoph Oertli

Und die Themen klingen spannend: Erst kürzlich hat auf einem Podium in Basel (publiziert in der jüngsten Weltwoche) mit Pius Knüsel einer der Meinungsmacher unter den Kulturförderern die künstlerische Auseinandersetzung mit Computerspielen eingefordert: «Ich finde es bedenkenswert, dass die Computerspielbranche jährlich mehr Geld umsetzt als die Filmindustrie, dass sie jeden zweiten Jugendlichen erreicht und sozial wie kulturell prägt – ohne dass je ein Kulturförderer sich dazu geäussert hätte. Doch warum soll es keine intelligenten Computespiele geben, wenn uns so viel daran liegt, dass es experimentelle Musik gibt?» Eine gute Frage des Pro-Helvetia-Chefs, auch wenn sie vermuten lässt, dass er Medienkunst-Events eher selten aufsucht. Und ein Zeichen, dass die Zeit womöglich reif ist, dass die mal vergnügliche, mal subversive Aneignung von kommerzieller Game-Software durch die Medienkunstszene auch bei einem breiteren Publikum auf Interesse stossen könnte.


Installation aus dem Programm der Viper 25: "The Girl-Helicopter" (RU 2004) von PROVMYZA
(Myznikova Galina & Sergey Provorov). Alle Bilder: © 25thVIPER & the artists

Die Sonderschau von Schweizer Medienkunst wiederum lässt aufhorchen an einer Viper, die vor wenigen Jahren noch die separat geführte Schweizer Werkschau abschaffte. Sie bietet womöglich einen qualitativ hochstehenden und finanzierbaren Überblick, der durchaus nützlich sein kann, wenn er nicht allzu einseitig Video umfasst. Syl Betulius & Lorenz Merz, Alexander Hahn, Annelies Strba, Peter Aerschmann, Ursula Biemann, Co Gründler, Tatjana Marusic, Nicolas Party und Christoph Oertli sind auch im herkömmlichen Ausstellungsbetrieb etablierte Namen und waren auch in den letzten Jahren am Festival präsent – sind sie an der Viper aber auch im Gespräch versammelt, so lohnt sich ein Besuch allemal. Besonders neugierig macht dabei der Titel der Show: «No Peak No View». Er steht selbstbewusst quer zum Kampfruf der Schweizer Jugendbewegung der Achtziger Jahre, der Forderung nach «Freier Sicht aufs Mittelmeer», dem die königsmachende Museumsshow im Kunsthaus Zürich bereits 1998 die Zähne zog. Handelt Schweizer Medienkunst von Bergmetaphorik? Zieht sie sich doch zurück ins Reduit regionaler Auffälligkeiten? Oder huldigt sie gar dem Elitedenken? Wir hoffen sehr, dass «No Peak No View» gemeint ist im Sinne «Ohne Fleiss kein Preis» und nicht etwa als Beschreibung des State of the Art. Und sind gespannt.

   
Information:

Viper 25 ist geplant für den 16. bis 20. März unter dem Festivalmotto «Gaming Society». Sonderschau «Swiss Media Art I No Peak No View» mit renommierten schweizerischen Positionen. Workshops, Panels und Werkpräsentationen.

Standort: Kunsthalle Basel

Links:

»www.viper.ch