Für 16. bis 20. März ist die 25. Ausgabe
von Viper, des internationalen Festivals für Film, Video und Neue Medien
geplant. Wer darüber im Vormonat schon informieren möchte, sieht
sich zu investigativem, wenn nicht spekulativem Journalismus angeregt.
Wir erinnern uns: Letzten Herbst erreichte uns drei Wochen
vor dem ursprünglich geplanten Termin die Nachricht, Viper sei aufs
Frühjahr verschoben. Finanzielle Gründe standen damals im Vordergrund
des Entscheids, der für Sponsoren, Partner und beteiligte KünstlerInnen
überraschend kam. Bereits seit Längerem hatten zwar Gerüchte
über finanzielle Engpässe die Runde gemacht, war von ausstehenden
Löhnen und Preisgeldern die Rede und von zögerlichen Antworten
auf alle inhaltlichen Anfragen mit Kostenfolgen. Dass 2005 bis auf den
Präsidenten sämtliche Vorstandsmitglieder des Vereins zurücktraten,
nährte die Sorgen um Vipers Zukunft.
Performance aus dem Programm der Viper 25: "The
Tomorrows project" (UK 2004) von Ablab + Dunlop (Gair Dunlop and
Dan Norton)
Das Ressort Kultur der Stadt Basel, mit CHF 275'000 je gemeinsam mit der
CMS Hauptsponsor der Viper, zeigte sich vor den Kopf gestossen durch die
mangelnde Transparenz und die Kurzfristigkeit der Terminverlegung, paukte
sie aber doch im Regierungsrat als Änderung des Subventionsvertrags
im Eiltempo durch. Viper-Sympatisanten andererseits hofften auf den Befreiungsschlag:
So gewannen die Direktorinnen, Rebecca Picht und Annika Blunck, Zeit für
eine sorgfältige Vorbereitung, vor allem aber war die Öffentlichkeitsarbeit
bereits wieder hoffnungslos im Verzug gewesen. Und da sämtliche Subventionsverträge
mit dieser Ausgabe auslaufen, ist eine gelungene und publikumswirksame
Viper entscheidend für einen geglückten Neuanfang von Basels
Kulturpolitik im Bereich Neue Medien.
Nun, drei Monate später und sechs Wochen vor dem internationalen
Festival, herrscht immer noch Funkstille im Viper-Büro. Kein müder
Flyer liegt auf zur publikumsträchtigen Museumsnacht, die Webseite
publiziert wortkarg eine Künstlerliste. Wer Informationen zum Programm
wünscht, kann allenfalls auf eine Ausgabe des Kunstbulletins zurückgreifen,
die im alten Jahr bereits eine Medienmitteilung abdruckte. «Gaming
Society» nenne sich das Festivalmotto, geplant sei eine Sonderschau
von Schweizer Medienkunst und eine neue Serie «Critic’s Choice»
speziell zur Kunstkritik in Bereich der Medienkunst. Auch in diesem Jahr
ist die Kunsthalle Basel als Standort vorgesehen: Ihr Personal versichert,
sie halte die Räume für das Festival frei. Bei den Technikern
von Tweaklab laufen die Vorbereitungen. Nur die Kultkinos, im letzten
Jahr dank der hübschen Bar noch informelles Festivalzentrum, haben
die Zusammenarbeit eingestellt.
Film aus dem Programm der Viper 25: "Still
seeing disappeared the sailors" (FR 2005) von Christoph Oertli
Und die Themen klingen spannend: Erst kürzlich hat auf einem Podium
in Basel (publiziert in der jüngsten Weltwoche) mit Pius Knüsel
einer der Meinungsmacher unter den Kulturförderern die künstlerische
Auseinandersetzung mit Computerspielen eingefordert: «Ich finde
es bedenkenswert, dass die Computerspielbranche jährlich mehr Geld
umsetzt als die Filmindustrie, dass sie jeden zweiten Jugendlichen erreicht
und sozial wie kulturell prägt – ohne dass je ein Kulturförderer
sich dazu geäussert hätte. Doch warum soll es keine intelligenten
Computespiele geben, wenn uns so viel daran liegt, dass es experimentelle
Musik gibt?» Eine gute Frage des Pro-Helvetia-Chefs, auch wenn sie
vermuten lässt, dass er Medienkunst-Events eher selten aufsucht.
Und ein Zeichen, dass die Zeit womöglich reif ist, dass die mal vergnügliche,
mal subversive Aneignung von kommerzieller Game-Software durch die Medienkunstszene
auch bei einem breiteren Publikum auf Interesse stossen könnte.
Die Sonderschau von Schweizer Medienkunst wiederum lässt aufhorchen
an einer Viper, die vor wenigen Jahren noch die separat geführte
Schweizer Werkschau abschaffte. Sie bietet womöglich einen qualitativ
hochstehenden und finanzierbaren Überblick, der durchaus nützlich
sein kann, wenn er nicht allzu einseitig Video umfasst. Syl Betulius &
Lorenz Merz, Alexander Hahn, Annelies Strba, Peter Aerschmann, Ursula
Biemann, Co Gründler, Tatjana Marusic, Nicolas Party und Christoph
Oertli sind auch im herkömmlichen Ausstellungsbetrieb etablierte
Namen und waren auch in den letzten Jahren am Festival präsent –
sind sie an der Viper aber auch im Gespräch versammelt, so lohnt
sich ein Besuch allemal. Besonders neugierig macht dabei der Titel der
Show: «No Peak No View». Er steht selbstbewusst quer zum Kampfruf
der Schweizer Jugendbewegung der Achtziger Jahre, der Forderung nach «Freier
Sicht aufs Mittelmeer», dem die königsmachende Museumsshow
im Kunsthaus Zürich bereits 1998 die Zähne zog. Handelt Schweizer
Medienkunst von Bergmetaphorik? Zieht sie sich doch zurück ins Reduit
regionaler Auffälligkeiten? Oder huldigt sie gar dem Elitedenken?
Wir hoffen sehr, dass «No Peak No View» gemeint ist im Sinne
«Ohne Fleiss kein Preis» und nicht etwa als Beschreibung des
State of the Art. Und sind gespannt.
Information:
Viper 25 ist geplant für den 16. bis 20. März
unter dem Festivalmotto «Gaming Society». Sonderschau «Swiss
Media Art I No Peak No View» mit renommierten schweizerischen Positionen.
Workshops, Panels und Werkpräsentationen.